Geschichte

135 Jahre und ad multos annos
Ortszirkel "Häus'chen" im KV zu Köln

Seit 1877 ist der Ortszirkel "Häus'chen" zu Köln der Treffpunkt der KVer im Raum Köln. In diesem Jahr war zum ersten Mal ein "Kölner Philisterzirkel" durch eine Anzeige im ‚Correspondenzblatt', dem Vorgänger der Akademischen Monats-blätter, in die Verbandsöffentlichkeit getreten. Er nannte sich "Kölner Hüs'chen". Den Namen hatte man dem jungen Zirkel wohl in Anlehnung an das kleine typisch kölsche Hüs'chen in der Breite Straße gegeben, welches die Gaststätte "Zum Grünenwald" beherbergte. (Später nannte sich der Ortszirkel- für alle verständlich - "Häus'chen".) Hier trafen sich bereits seit 1873 regelmäßig junge katholischen Studenten von anderen Universitäten. In Köln gab es zu der Zeit keine katholischen Studentenverbindungen, wie sie in anderen Universitätsstädten als Reaktion auf die Auseinandersetzung zwischen dem preußischen Staat und der Katholischen Kirche in den 70er Jahren des 19. Jahrhunderts gegründet worden waren. Denn die 1388 gegründete Alte Kölner Universität war 1798 - in der so genannten Franzosenzeit - geschlossen worden. Bis zur Wiedergründung dauerte es bis 1919. Köln war also im 19. Jahrhundert keine Universitätsstadt.

Zweimal pro Woche trafen sich die Kölner KVer zum Stammtisch. Mit der Zeit fanden sich auch Alte Herren dazu ein. Die Idee einer Zirkelgründung wurde geboren. Initiatoren waren drei damalige Rechtsreferendare: der spätere Notar in Neuss Joseph Tils, ferner sein Kollege in Köln Walter Schippers sowie der spätere Bonner Bürgermeister Karl Rennen. Alle drei gehörten der Bonner Arminia an. Der Kreis um sie wuchs schnell. Erster Häuschenvater wurde 1878/79 Hermann Wiedel, der bei Winfridia-Göttingen aktiv gewesen war. Er kam als Altphilologe im Alter von 25 Jahre an das Gymnasium Kreuzgasse. Prägende Persönlichkeiten in den Anfangsjahren des "Häus'chens" waren zum einen Karl Trimborn, einer der bedeutenden Köpfe des Volksvereins für das katholische Deutschland. Und zum anderen Herrmann Cardauns, ein bedeutender Publizist, u. a. Chefredakteur der Kölnischen Volkszeitung, und Generalsekretär der Görresgesellschaft, in der sich die katholischen Wissenschaftler zusammenfanden. Berühmtestes Mitglied des Kölner KV war Konrad Adenauer, der auch als Bundeskanzler auf seine Zugehörigkeit zum KV besonderen Wert legte.

Das 1938 verhängte Verbot und die Zwangsauflösung des KV durch die Nazis bewirkten dann einen Bruch in der Geschichte des "Häus'chens". Nach der Wiederbegründung Ende 1947 knüpfte der Kölner Ortszirkel bald an alte Traditionen an. Im Rahmen der Jahresprogramme bietet das "Häus'chen" seinen Mitgliedern und Gästen eine Mischung von geselligen, unterhaltsamen und intellektuellen Veranstaltungen an, die sowohl den KV-Prinzipien religio, scientia et amicitia (Religion, Wissenschaft und Freundschaft) als auch den unterschiedlichen Interessen der Mitglieder gerecht werden. Zum festen Kreis des Ortszirkels gehören seit den 70er Jahren die Damen. Sie sind nicht einfach nur Begleitpersonen der Kartellbrüder, sondern sie tragen selbst aktiv zum Ortszirkel-Leben bei, z.B. im Literatur- und im Malkreis. Insgesamt zählt der Kölner Ortszirkel "Häus'chen" über 300 Mitglieder. Als Häus'chen"-Vater amtiert seit 2008 Diplomkaufmann Ulrich Hopmann.

Am 27. April 2012 feierte das "Häus'chen" sein 135jähriges Bestehen. Dieses Jubiläum sollte nicht nur eine 135jährige wechselvolle Geschichte beschließen, sondern, so der Wunsch des "Häus'chen"-Vaters am Festabend, auch der Auftakt sein ad multos annos des Ortszirkels "Häus'chen" im KV zu Köln.

Köln, 23. August 2012
Ulrich Hopmann